Solidaritätserklärung aus Kassel für die Rad*Aue

Gleich zu Beginn des neuen Jahres erreicht uns und andere die traurige Nachricht, dass die Existenz des Wagenplatzes Rad*Aue an der Steinbach in Jena akut bedroht ist. Nach nur einem Jahr Duldung soll im Februar 2018 wieder Schluss sein mit dem Wagenleben in der Stadt. Und das nachdem die Bewohner*innen und Nutzer*innen des Platzes jahrelang, auch in Verhandlungen mit der Stadtverwaltung, für diese Wohn- und Lebensform gekämpft haben.

Dabei ist es in einem knappen Jahr gelungen, nicht nur einen Ort zum Leben für Menschen zu schaffen, die einfaches und bescheidenes Wohnen mit viel Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung verbinden. Darüber hinaus bietet die Rad*Aue auch über den Kreis der Bewohner*innen hinaus mit gemeinsamem Kochen und Essen bei einer regelmäßigen „Küche für Alle“, mit offenen Filmabenden und vielen anderen Aktivitäten, Gelegenheiten für Menschen zusammen zu kommen, sich kennen zu lernen und auszutauschen.

Wir Mitglieder des Vereins so*leben e.V. aus Kassel teilen das Ziel, gemeinschaftliche Wohn- und Lebensformen zu schaffen, die es den Bewohner*innen und anderen Menschen im Umfeld erlauben, zusammen zu kommen und ihr Leben in der Stadt aktiv zu gestalten. Gerade in Zeiten, in denen Vereinzelung und Entsolidarisierung um sich greifen und Menschen gegeneinander aufgehetzt werden, sind Orte wie die Rad*Aue ungeheuer wichtig.

Auch um diesen Problemen begegnen zu können, braucht es nicht weniger, sondern mehr Orte, an denen ein solidarisches und selbstbestimmtes Miteinander gelebt werden kann. Wir alle brauchen diese Räume in Jena, in Kassel und überall sonst. Sie sind, wie in so vielen anderen Städten von Leipzig bis Freiburg zu sehen ist, eine Bereicherung für die ganze Stadt.

Deshalb sagen wir dem Oberbürgermeister und den Fraktionen im Jenaer Stadtrat: Macht euch für die Rad*Aue, für das Wagenleben und überhaupt für gemeinschaftliche Wohnformen in Jena stark! Räumt die Hindernisse aus dem Weg und setzt euch für eine Einigung ein, um die Existenz dieses wichtigen Ortes zu garantieren.

Den Bewohner*innen und Freund*innen der Rad*Aue rufen wir zu: Bleibt dabei, lasst euch nicht entmutigen, denn ihr seid nicht allein. Der Kampf für gemeinschaftliche Wohn- und Lebensformen, für ein solidarisches Miteinander in der Stadt geht weiter, in Jena und überall.

so*leben e.V. Kassel